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Kubanisch oder nicht-kubanisch – was bevorzugt ihr und warum?

Verfasst: Do Jul 09, 2026 4:17 pm
von Smok3r
Mich würde mal interessieren, wie ihr das bei euch im Humidor so handhabt.

Kubanische Zigarren haben ja für viele (mich eingeschlossen) immer noch diesen besonderen Reiz. Da schwingt irgendwie ein Stück Geschichte, Tradition und Mythos mit. Gleichzeitig gibt es heute so viele gute Zigarren aus Nicaragua, der Dominikanischen Republik, Honduras und anderen Ländern, dass man sich schon fragen kann, ob Kuba wirklich noch automatisch die erste Wahl ist.

Ich selbst finde das Thema spannend, weil es dabei ja nicht nur um Geschmack geht, sondern auch um Gefühl, Erwartung und Erfahrung. Manche schwören auf die typische kubanische Art, andere sagen, dass sie bei nicht-kubanischen Zigarren mehr Konstanz, bessere Verarbeitung oder einfach das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen.

Wie seht ihr das?

Greift ihr bewusst eher zu kubanischen Zigarren, oder sind euch Herkunft und Herkunftsland gar nicht so wichtig? Habt ihr bestimmte Länder, Marken oder Linien, zu denen ihr immer wieder zurückkehrt? Und spielt dieser „Mythos Kuba“ für euch noch eine Rolle, oder zählt am Ende einfach nur, ob die Zigarre im Moment passt und Genuss bringt?

Re: Kubanisch oder nicht-kubanisch – was bevorzugt ihr und warum?

Verfasst: Do Jul 09, 2026 6:37 pm
von ThePurifier
hallo,

für mich spielt der "mythos kuba" überhaupt keine rolle. ja, kubanische zigarren sind legendär und einzigartig im geschmack. aber wie du schon selbst geschrieben hast, ist das preis-leistungsverhältnis und die verarbeitung in den letzten jahren deutlich schlechter geworden. auch mit der verfügbarkeit sieht es mancherorts echt düster aus. ich habe gerade heute meine letzte kubanerin geraucht und werde wohl in naher zukunft keine neue mehr kaufen. bekomme ich welche geschenkt oder werde auf eine eingeladen, dann werde ich sie natürlich gerne genießen, aber solange die probleme weiterhin bestehen, verzichte ich auf einen kauf.

es gibt marken, von denen ich selten entäuscht wurde. zb. plasencia, cao, oscar valladares, perdomo, davidoff, macanudo... ansonsten lass ich mich auch gerne beim tabakhändler beraten. herkunft spielt bei mir eine untergeordnete rolle.

gruß

Re: Kubanisch oder nicht-kubanisch – was bevorzugt ihr und warum?

Verfasst: Do Jul 09, 2026 9:24 pm
von Batzi
Dem kann ich mich nur anschließen.
Die Legende lebt, aber eine bezahlbare, gut verarbeitete und vor allem "mir schmeckende" Zigarre ist mir allemal lieber als ein überteuertes Statussymbol. Das Herkunfts-, bzw Produktionsland ist für mich eher zweitrangig.
LG Batzi

Re: Kubanisch oder nicht-kubanisch – was bevorzugt ihr und warum?

Verfasst: Do Jul 09, 2026 11:55 pm
von Habanooligan
Ich glaube, dass kein Land jemals so eng mit der Zigarre verwoben sein wird, wie Kuba.

Dies hat viele Gründe wie die Entdeckung der ersten "Rauchrohre" und das "Rauch trinken" durch die indigenen Stämme auf Kuba, im Jahr 1492.
Kuba ist die Heimat und von dort aus zogen die Menschen in die Welt und versuchten ihre Traditionen und Heimat in fremder Erde zu beleben. So viel halt zum Teil der Legende.

Die viel bemängelte Qualität in Bezug zur Konstruktion kann ich voll und ganz nachvollziehen und ist in meinen Augen nachvollziehbar. Früher gab es Premium Longfiller Zigarren vorwiegend aus Kuba. Zwar gab es bereits Trockenzigarren anderer Provenzien im europäischen Raum, aber diese waren vom Aroma her anders und halt auch preislich wesentlich attraktiver.
Habanos waren seit jeher ein Luxus-Objekt, wobei ich persönlich schon immer fand, das jede Zigarre ein Luxus ist.

Habanos haben mehrere Probleme. Teils durch höhere Gewalt, Gier nach Luxus, dringend benötigte Devisen, Mangel an Rohstoff.
Es gab durch Stürme bedingt in den letzten Jahrzehnten immer wieder Ernteausfälle. Dadurch wurde die Habano knapp und alles was selten ist, ist auch sehr begehrt. Damit der Staat genug Geld einnehmen kann, muss er zwangsläufig seine Zigarren "zu frisch" in den Export schicken. Die Kisten, die hier ankommen setzen in der Regel keinen Staub an und sind am Liefertag quasi direkt verkauft.
Die Nachfrage ist in China extrem gestiegen, viele Leute haben für viel Geld ihre Habanos nach China exportiert.
Da dachten sich die Kubaner, dass man doch mal ein wenig vom Kapitalismus lernen kann und hat dann für Cohiba (inkl. Behike), Montecristo Linea 1935, Romeo y Julieta Linea d'Oro und Trinidad die Preise auf Hongkong Niveau angehoben. Quasi die Geburtsstunde der Ultra Premium Zigarren.
Diese Entwicklung wäre vermutlich nicht in Gang gekommen, wenn die Gierhälse ihre Kisten nicht für extrem hohe Preise nach China verschifft hätten und die Chinesen nicht wie irre alles gekauft hätten.
Wer blieb also auf der Strecke? Ganz klar der Genießer. Doch China ist nicht der einzige große Abnehmer. Auf den Plattformen Cigarland oder Bond Roberts werden Preise aufgerufen, jenseits von Gut und Böse. Ein großer Abnehmer sind tatsächlich die USA. Ich hatte mal Kontakt zu einem Amerikaner, der eine 10er Kiste Cohiba Pyramides für 900$ gekauft hat. Die Kiste kostete laut Steuerbanderole aus Deutschland 330€. Die Nachfrage ist in den USA scheinbar groß und die hauen dort das Geld zum Fenster raus, um von der "verbotenen Frucht" zu Kosten.
Angeblich sei es extrem schwer, die Kisten in die USA zu bekommen, aber Kirby Allison hat ja auch einen vollen begehbaren Humidor. :roll:

Die Zigarren konnten früher noch beim Händler etwas liegen. Kisten mit 5 Jahre alten Boxing Dates waren keine Seltenheit. Schon erstaunlich, wenn man mal Videos von Händlern sieht und dann sieht, wie die Zigarren bis unter die Decke gestapelt wurden. Heute völlig unvorstellbar.
Durch die längere Ruhephase waren die Zigarren quasi schonmal vorgereift.
Bei den Zigarren aus Nicaragua etc. ist dies heute noch der Fall, denn es besteht fast schon ein Überangebot und die Produzenten lassen ihre Zigarren bereits im Herkunftsland Agen.
Dies ist in meinen Augen ein Punkt, der für New World Zigarren spricht.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass man unter 1 Jahr im eigenen Humidor, keine Habano rauchen sollte, denn sie benötigt Zeit "um zur Ruhe" zu kommen. Besser sind natürlich 3+ Jahre, aber ich kann jeden verstehen, der keinen Bock hat, Jahrelang darauf zu warten, dass seine Zigarren "rauchfertig" sind. Es ist schon sehr bemerkenswert, wie sich dann auch der Abbrand verändert. Die Exemplare, die liegen konnten, weisen einen besseren Abbrand auf und einen geringeren Zugwiderstand in Relation zu frischen Exemplaren.

Was die Aromen anbelangt, beziehe ich mich grundsätzlich immer auf den Punkt Terroir, welcher sich in allen Bereichen des Genusses wiederfindet. Bei Wein ist es die Anbauregion, Sonnenstunden, Bodenbeschaffenheit etc. welche den Charakter des Weins deutlich bestimmen. Habanos haben ein einzigartiges Aromenprofil, welches ich so nie zu 100% in anderen Regionen gefunden habe. Dies bedeutet nicht, dass sie besser sind als andere Zigarren, nur eben anders. Ich hatte auch schon Zigarren mit einem ähnlichen Aromenprofil. So geht es mir auch bei Puros aus Nicaragua von Padron oder MyFather.

Leider sind Habanos ein Statussymbol, was halt daran liegt, dass sie seit jeher in aller Munde sind. Auf der anderen Seite bemerke ich jedoch, wie heftig die Preise bei New World Zigarren angezogen haben. Eine Arturo Fuente Gran Reserve Sungrown Rosado Robusto lag vor 3 oder 4 Jahren noch bei 10€ und mittlerweile liegt der Preis bei ca. 15€
Zigarren werden allgemein immer teurer und die 10€ Grenze wird sich wohl oder übel verschieben, wenn wir in ein paar Jahren noch Zigarren rauchen wollen.
Dahingehend wird also die preisliche Differenz zwischen New World und Kuba immer kleiner.
Persönlich finde ich, dass bei identischen Preisen die Habanos mir halt mehr Spaß bieten als New World.

Davidoff war ja Jahrelang auch die Zigarre schlechthin und ich muss sagen, dass viele Davidoffs wesentlich teurer sind als Habanos und auch nicht unbedingt besser als diese.
Ich kann nur jedem empfehlen, mal ein paar Habanos zur Seite zu legen und sich dann von der Verwandlung überraschen zu lassen. Besonders gut sind dafür die Romeo y Julieta geeignet. Petit Corona/ Mareva mit 42 auf 127 für knapp 7€ sind ein Top Preis und Recht gut verfügbar.

Re: Kubanisch oder nicht-kubanisch – was bevorzugt ihr und warum?

Verfasst: Fr Jul 10, 2026 1:06 pm
von DD1972
Mir persönlich fehlt bei kubanischen Zigarren einfach die konstante Qualität, wenn ich aus einer 25er Kiste RyJ nur 15-20 rauchen kann macht es einfach wenig Sinn wenn man etwas aufs Geld achten muß. Meine Lieblings Kubazigarre ist die RyJ Mille fleurs, Ausfallrate noch recht gering, mein Sohn schwört auf Montecristo No. 4, seine Standardzigarre, nach seiner Aussage bei 4 Kisten noch nie eine Ausfall!!!